Pippi Langstrumpf auf Serbisch

Mit dem Projekt „Die Welt braucht eine Pippi-Perspektive“ gehen wir auf eine ebenso spannende wie lehrreiche Entdeckungsreise unserer interkulturellen Gesellschaft. Was für ein Reichtum sich hinter der Vielfalt der Sprachen verbirgt, erleben wir mit jeder weiteren Übersetzung, die den Weg in unsere Lebende Bibliothek findet.

In Bosnien, Kroatien und Serbien beherrschen und verstehen die Menschen in der Regel alle drei Sprachen. Es wird sogar darüber diskutiert, ob es sich überhaupt um unterschiedliche Sprachen oder lediglich um Dialekte handelt. In die jeweilige Betrachtung und Einschätzung fließen vor allem auch politische Aspekte.

Hanna Šiljak, die in Marburg studiert, beherrscht alle drei Sprachen. Als sie von dem Projekt des DSFV erfuhr, beschloss sie, uns bei der Beschaffung der Bücher zu unterstützen. Während eines Aufenthaltes in ihrer Heimat Bosnien besorgte sie eine Ausgabe in ihrer Muttersprache Bosnisch. Da Bosnien ein multi-ethnischer Staat ist, war es kein Problem, bei dieser Gelegenheit auch eine Übersetzung auf Serbisch zu organisieren.

In einer Zeit, in der radikalisierende politische Propaganda zunehme, sei das interkulturelle Leseprojekt, das sich für Harmonie und Solidarität einsetzt, für sie von besonderer Bedeutung, erklärte Hanna, auch vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Lebensgeschichte. Hanna kam nach dem Bosnienkrieg (1992 – 1995) auf die Welt. Ihre liberalen Eltern nannten sie nicht Hana oder Hanah, wie bei bosnischen Muslimen üblich, sondern entschieden sich bewusst für die Schreibweise mit Doppel-n, damit der Name keinen Aufschluss über Nationalität oder Religion zulässt. Ihre Kinder sollten im Falle künftiger Konflikte oder Kriege, die sich durch die Geschichte der Region ziehen, nicht durch die bloße Namensgebung großen Gefahren ausgesetzt sein, wie sie sie selber in Kriegszeiten erlebt hatten. Vielmehr sollten sie auch in friedlichen Zeiten ausschließlich an ihrem Charakter beurteilt werden, unabhängig ethnischer Zugehörigkeiten.

Mit Hanna reisten die Bücher zurück nach Marburg. Wie aber landeten sie schließlich im Briefkasten des DSFV? Hierüber bewahren wir Stillschweigen, weil eine hochengagierte Person dies so wünscht, die ihr weltweites Netz nutzt, um über unser Projekt zu berichten. Eine wahre Botschafterin, die eifrig im Hintergrund wirkt und immer wieder für Überraschungen sorgt. Ihr verdanken wir die Beschaffung und Zustellung zahlreicher Übersetzungen voller spannender Geschichten.

Herzlichen Dank an Hanna und unsere Persona Incognita für die großartige Unterstützung!

Hanna Šiljak

Auch unser Vereinsmitglied Ursula Wiehl-Lee freut sich über die Überraschung im Briefkasten des DSFV.